Milena Bartlová

Milena Bartlová

Wie verbreitet man eine Revolution? – Kommunikation zwischen Gebildeten und Analphabeten in der Zeit der Hussiten-Bewegung

 

Reformationen und Revolutionen begründen sich aus einem breit gestreuten gesellschaftlichen Bedarf nach radikaler Veränderung. Aber sie bedürfen auch einer  theoretischen Basis. Letztere wird von Intellektuellen formuliert – aber wie können diese ihre Botschaft auf eine Art und Weise kommunizieren, dass sie ungebildete und sogar illiterate  Menschen verstehen und zu ihrer Sache machen? Auch die tschechische Hussitenbewegung in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als sich Lesekompetenz nur auf eine kleine Bürgerelite beschränkte, hatte mit diesem Problem zu kämpfen. Ihre Kommunikationsmittel waren Bilder und öffentliche Aufführungen, die auf emotionale Weise intellektuelle Inhalte vermittelten und die Bevölkerung von der Notwendigkeit einer Veränderung der herrschenden Ordnung überzeugten. Anders als zu Luthers Zeiten konnte sich die hussitische Revolution noch nicht des Buchdrucks bedienen; eine Situation allerdings, die sich von den Anfängen der sowjetischen Ära um das Jahr 1920 nicht sehr unterscheidet.

 

(Tschechisch, 45 Min, Bühne 2, Übersetzung ins Englische)

 

Milena Bartlová ist Professorin für Kunstgeschichte an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag. Ihr im Jahr 2015 erschienenes Buch Pravda zvítězila: výtvarné umění a husitství 1380-1490 (Die Wahrheit siegte: bildende Kunst und die Hussiten 1380-1490) befasst sich mit der Frage, wie man revolutionäre Ideen unter überwiegend analphabetischen Menschen verbreitet.